Wir haben mehr als einen Vogel

Junger Grünfink, leicht benommen

In diesem Jahr freuen wir uns über ganz viel gefiederten Nachwuchs im Garten. Da turnen die Meisen an der Schuppenwand, überm Sitzplatz in der Magnolie und picken im fast ausgetrockneten Teich. Den Stamm hinauf und hinunter sind Bäumläufer unterwegs, ganz gelegentlich sieht man einen jungen Zaunkönig zwischen den Stauden. Amseln hatten wir jahrelang fast gar keine, in diesem Jahr brüteten mindestens zwei Paare gleich dreimal (seit Anfang August wird ein Nest zum vierten Mal benutzt). Wo die Buchfinken ihr Nest haben, wissen wir nicht, aber wie kann ein so kleiner Vogel so eine laute Stimme haben? Das Rotschwänzchen fliegt vorbei, so dass man die rote Schwanzunterseite sehen kann. Die matronenhaften Ringeltauben schieben sich durchs Gras, und die Krähen sind jeden Abend zu hören. Sie haben dieses Jahr gegenüber im Espenwäldchen gebrütet, denn die Treppe unter der Fichte blieb sauber. Bussarde, Habichte (oder Sperber?) sind am Himmel zu sehen und, gar nicht selten erblicken wir über uns einen Rotmilan.

Grünfinken gibt es sehr viele, und sie sind offenbar besonders neugierig. Der kleine Kerl oben flog ins Schlafzimmer und wollte mit Gewalt wieder ins Freie. Leider war das Freie versperrt, Es gab einen lauten Schlag und er lag bedeppert auf dem Boden. Als ich ihn aufnahm, merkte ich jedoch, dass sein Herzchen kräftig schlug. Also setzte ich ihn auf einen Terrassenstuhl; und nach fünf Minuten war er auf und davon. Einem Verwandten war es einige Tage zuvor schlechter gegangen.

Unser Garten hat viele Lebensräume von der Boden- über die Kraut- Strauch und Baumschicht, mit Luken im Haus und Löchern in abgestorbenen Baumstämmen. In all diesen Schichten gibt es die verschiedensten Insekten, Wir lassen abgeblühte Pflanzen zum Teil stehen, bis sie reifen Samen gebildet haben. Alles dient den Vögeln als Nahrung, und sie empfinden den Garten mit angrenzender Wiese und Wald möglicherweise genau wie wir als ihr Paradies.

Darf man Vögel anfassen? Ja man darf! Man sollte es aber nur dann tun, wenn sie alleine nicht zurecht kommen, z.B., wenn sie sich in der Wohnung selbst gefangen haben. Bei auf dem Boden sitzenden Jungvögeln, die noch nicht fliegen können, sollte man sich entfernen. Die Eltern füttern diese Tiere auch am Boden. Ausnahme: Gefahr durch Katzen!

Diese junge Amsel versucht vergeblich, ins Freie zu kommen

Säugetiere dürfen auf keinen Fall angefasst werden! Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Nach dem Anfassen riechen sie nach Mensch, also fremd, und werden von den Eltern nicht mehr angenommen.

Ein Liegeplatz für mehrere Stunden
Ende Mai alleine unterwegs

Das Kitz besuchte uns letztes Jahr im Garten. Es lag fast 7 Stunden zwischen den Stauden. Auf einmal hörten wir einen erbärmlichen Schrei und konnten gerade noch sehen, wie es jemand auf der Marschallstraße ins Auto packte. Was immer derjenige damit beabsichtigte: Von der Mutter ist das Tier nie und nimmer wieder angenommen werden. Gut gemeint(?) ist nicht immer gut getan!


Fotos Vögel:Winfried Senger; Rehkitz: Eveline Renell

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